Täglich etwas fallen lassen...

“Beim Streben nach Wissen, wird täglich etwas hinzugefügt.

Bei der Einübung in den spirituellen Weg, wird täglich etwas fallen gelassen” (Laotse)

Können wir uns täglich darin üben, etwas loszulassen und Momente der Leere zu erlauben? Ist es möglich, vorgefertigte Meinungen, Glaubenssätze, Wertungen, Vorurteile, ein wenig Luxus, Ansprüche, schmerzhafte Erfahrungen, ungesunde Lebens- und Beziehungs-Konstrukte, einfach nur die Anspruchshaltung auf einen bestimmten Park- oder Sitzplatz gehen zu lassen? Können wir vielleicht auch ein Stück unseres lange und mühselig erworbenen Selbstbildes fallen lassen? Wissen ist hilfreich - Leer werden und Loslassen essentiell! Wirkliche Leere ist nicht leer – sie ist zwar still aber vital und voller Potential.

Nach der östlichen Lehre ist der Herbst die Zeit des Metallelementes mit Bezug zu den Organen Lunge und Dickdarm. Loslassen ist ein Weg, diese Organe zu stärken. Die Probleme kommen nicht durch die Leere, sondern durch ein Zuviel. Was uns auslaugt, sind nicht die stillen und besonnenen Momente, sondern unsere Errungenschaften, die uns so anfüllen, dass Dichte sich in den Weg des Lebensflusses stellt. Was sich auf Papier leicht schreiben und vielleicht lesen lässt ist in Wirklichkeit nicht ganz so einfach.

Hier beginnt unser aufrichtiger spiritueller Weg mit aktiven Schritten und dem Mut, immer wieder zu üben. Was könntest Du heute mal loslassen? Kannst Du spüren, welche Gefühle damit einhergehen? Die Intensität des “Halten-Wollens”? Wie frei macht es, die Hand zu öffnen, statt in einer Faust fest zu halten.

Der Baum, der im Herbst seine Blätter fallen lässt, weiß, dass es nicht die Blätter sind, die ihn nähren, sondern die nährende Kraft aus der Tiefe kommt und ihn weiter versorgt, auch wenn die Blätter gegangen sind. Wie komplex scheinen die Wege im Leben geworden zu sein – wie viel wissen wir in dieser hochzivilisierten Gesellschaft und wie wenig wissen wir schlussendlich über uns, über Tiefe und Weisheit?

Diese lassen sich zum Glück nicht über Facebook (ach nein, Meta heißt es ja bald), Twitter oder Instagram erwerben – auch wenn dort viel vermarktet wird. Das sind Geschenke, die uns dann in den Schoß fallen, wenn wir den Weg beschreiten und immer wieder üben.

Die Balance zwischen Wissen erwerben und Unnötiges fallenzulassen, führt zu Weisheit! Bleibt dran an Eurer Yogapraxis - übt und findet diesen Weg der Mitte.