Sommer in mir

“Mitten im tiefsten Winter wurde mir schließlich bewusst, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer wohnt.”

Albert Camus

eine sehr tiefe Erkenntnis, die Herr Camus hatte. In einer dunklen und kalten Zeit in Kontakt zu gekommen mit einem Erleben von Sommer, der von keiner dunklen Macht oder Kraft angerührt werden kann. Man könnte wohl auch von der Anwesenheit von Freude und Lebendigkeit trotz schwierigen Umständen sprechen. Ähnliches in der Yogaphilosophie: sie weist auf ein allem zugrunde liegendes Licht oder dem Unveränderbaren unter allem Veränderlichen hin. Im Christentum das Heilige Fest, das an dieses Licht erinnert. Eine wunderbare Vorstellung, stabil und ausgerichtet das Unbehagliche passieren zu lassen. Doch wie kann man zu einem solchen Erleben kommen? Dieses verkörpern und im Alltag umsetzen? Wie ist es möglich, die Lebensumstände unter den kältesten Bedingungen zu relativieren, sich aus dem Leidvollen zu lösen und mit dem Lichtvollen verbunden zu bleiben? Schlaue Bücher, esoterische Diskussionen oder Google sind sicherlich nicht der hilfreichste Schlüssel. Mein fester Glaube liegt darin, das Prana oder Chi zu transformieren. Wenn unser Chi schwach ist, lehnen wir uns gerne an äußeren Bequemlichkeiten, Szenen, Konsum, anderen Meinungen und Wahrheiten an. Es braucht eine beständige Praxis – nicht nur des Übens, sondern auch des Hinterfragens und Reflektierens, damit in uns die magische Alchemie erfolgen kann. Die dunkle (Jahres)zeit ist die Zeit des Großen Yin und eine wunderbare Chance, inne zu halten, bei sich zu bleiben und sich vermehrt der eigenen Praxis zu widmen, um konditionierte, blockierende Strukturen, die wir gerne nicht sehen möchten, zu wandeln. Das Dunkle verlangsamt. Es lädt ein, genauer hin zu spüren und Gewohnheiten gehen zu lassen. Es ist eine Chance, frei/er zu werden. Unsere Yogapraxis stärkt den Mut und die Kraft, dem Leben aufrichtig zu begegnen, um einen Weg gehen zu können, der ungeachtet der äußeren Umstände einer tieferen Wahrheit entspricht. Fangt deshalb gleich damit an und nicht erst, wenn die guten Vorsätze für das Neue Jahr gefasst sind. Jeder Einzelne trägt mit jeder Bewegung, jedem Gedanken, jedem Wort und jedem Atemzug dazu bei, etwas mehr Sommer in den Winter zu bringen. Und seid gewiss: am Ende wird das Lichtvolle siegen!